Interview mit dem Kanzler
25.09.2002
WS: Bedrückt es Sie nicht, dass über die Hälfte der Bevölkerung Sie als Betrüger sieht?
K: So ein Quatsch, ich wurde doch nur von 38 % gewählt, dann kann ich doch keine 60 % betrügen.
WS: Es ist aber doch Fakt, dass die Regierung die Horrornachrichten erst nach der Wahl bekannt gegeben hat.
K: Wir hatten 3 Monate Wahlkampf. Da war ich von morgens bis abends auf Wahlveranstaltungen. Da bleiben halt die Regierungsdinge liegen, das werden die Menschen doch verstehen. Im Übrigen, bis ich für mich passende Stiefel für das Waten in der Elbe gefunden hatte, das hat vielleicht gedauert. Die waren mir alle viel zu groß.
WS: Aber über Steuererhöhungen wurde vor der Wahl nicht gesprochen, und das muss doch vorher schon lange geplant gewesen sein. Sie haben sogar gesagt, dass es keine Steuererhöhungen gibt.
K: Selbstverständlich, aber hier muss ich meinen Freund Hans in Schutz nehmen. Er war, wie alle anderen auch, dauernd unterwegs, und da fehlte einfach die Gelegenheit. Übrigens glauben einem die Leute vor der Wahl eh kaum etwas, da liegt es doch auf der Hand, dass wichtige Sachen und Hiobsbotschaften wie Steuererhöhungen erst nach der Wahl bekannt gegeben werden, dann registrieren die Menschen es auch.
WS: Nun gibt es ein Finanzloch im Haushalt, Beitragserhöhungen stehen an, die ermäßigten Mehrwertsteuersätze werden für ganze Branchen mehr als verdoppelt, und die Arbeitslosigkeit soll sogar nächstes Jahr weiter steigen. Wird es Ihnen da nicht bange?
K: Warten Sie doch erst einmal ab, bis wir die Hartz-Vorschläge 1:1 umsetzen. Wenn die älteren Arbeitslosen mal aus der Statistik entfernt sind, haben wir nur gut 3 Millionen erfasste Arbeitslose und liegen damit im europäischen Vergleich ziemlich gut. Das haben wir vor zwei Jahren mit der Arbeitsplatzstatistik auch hinbekommen. Bei den 325-Euro-Jobs hatten wir von einem auf den anderen Tag über eine Million mehr Arbeitsplätze, ohne dass die bezahlt werden mussten. Eine unserer größten Leistungen der letzten 4 Jahre.
WS: Meinen Sie nicht, dass es besser gewesen wäre, den Menschen vor der Wahl klaren Wein einzuschenken?
K: Wie gesagt, vor der Wahl wird einem kaum etwas geglaubt, und insgeheim haben viele Menschen schon damit gerechnet. Die Menschen sind weniger dumm, als viele glauben. Im Übrigen haben wir nach der Ministerernennung nicht mit Sekt, sondern mit Wasser angestoßen. Damit haben wir unsere Solidarität mit dem Volke zum Ausdruck gebracht.
WS: Glauben Sie, dass die Basis Ihrer Partei das mit Ihnen alles durchzieht?
K: Meine Partei ist mit mir völlig solidarisch und sehr folgsam. Man muss den Leuten nur viel zumuten, dann folgen sie auch. Bei uns wird nicht lang herumgemacht, und der Chef hat noch was zu sagen. So, jetzt ist die Fragestunde vorbei. Wo sind die Kameras?
Schröder: Vergleich um schwarze Haare
29. November 2002
Bundeskanzler Schröder hat mit der Wochenzeitschrift „Neue Revue“ vor Gericht einen Vergleich geschlossen.
Die SPD übernimmt freilich die Prozesskosten, die Schröder bei dieser höchst wichtigen Angelegenheit entstanden sind. Es wäre nicht auszudenken für die Partei, wenn der Vorsitzende seine Haare in der Farbe der Konkurrenz färben lassen würde.
Im Moment hat die SPD keine anderen Sorgen, als die Mitgliederbeiträge abzubauen.
Die Deutschen hören schlecht!
Ergebnisse des HNO-Kongresses
Auf dem Internationalen Kongress der HNO-Fachärzte in Berlin wurde eine Studie vorgelegt, in der eine signifikant verminderte Hörfähigkeit bei Deutschen aller Altersgruppen in der letzten Zeit festgestellt wurde.
Die Studie bezieht sich auf den Zeitraum vom Sommer bis Oktober 2002.
Die Ergebnisse stützen sich insbesondere auf Aussagen des Kanzlers bei all seinen Wahlveranstaltungen, als er landauf, landab von frühmorgens bis spätabends über zwanzig verschiedene Steuererhöhungen angekündigt hat. Von morgens bis abends, im Fernsehen wie im Rundfunk, hat er dem Volke Steuererhöhungen angekündigt.
Nach der Wahl will jetzt kein Deutscher etwas von Steuererhöhungen gehört haben. Wie verlautet, sollen ausschließlich einige wenige Vertrauenspersonen aus direkter Umgebung des Kanzlers über das geeignete Ohr verfügt haben, dies wahrzunehmen.
Die versammelten HNO-Ärzte sind mit Stummheit geschlagen, da sich unter den Probanden auch einige wenige Ärzte befanden, welche ebenfalls nichts davon vernommen haben wollen. Da es bereits kurz nach Veröffentlichung dieser Studie Stimmen gab, die dem Kanzler unlauteres Vorgehen vorwarfen, ist das Ergebnis sehr ernst zu nehmen. Wie ist es nun tatsächlich um das deutsche Ohr bestellt? Allen muss doch klar sein, dass unser Kanzler über jeden Zweifel erhaben ist.
Für eine weitergehende Studie, um diesem Phänomen auf den Grund zu gehen, steht laut Gesundheitsministerin Schmidt kein Geld zur Verfügung.