wahlschmiere.de – Satire für Deutschland
Herausgegeben von Guy M. Y. Ph. Franquinet
Archiv: Diese satirische Zeitung erschien zur Bundestagswahl 2002. Sämtliche Interviews und Meldungen sind frei erfundene Satire.
Editorial

Sie werden sich vielleicht fragen, wie die satirische Zeitung „Wahlschmiere“ entstanden ist.

Als geborener Niederländer, seit 1967 in Deutschland tätig bzw. wohnhaft, darf ich mich auch heute noch nicht an Bundestagswahlen beteiligen.

Als niederländischer EU-Staatsbürger darf ich nach wie vor nicht wählen. Die deutsche Nationalität unter Beibehaltung der niederländischen ist für mich wie für andere EU-Bürger nicht möglich. Mitbürger aus der Türkei (die überwiegend Rot/Grün gewählt haben) dürfen wegen ihrer doppelten Staatsbürgerschaft in Deutschland wählen.

SPD und Grüne haben sich in diesem Falle wohl von parteipolitischen Interessen leiten lassen.

Durch diese Zeitung habe ich die Möglichkeit, meinen Frust über die politischen Ereignisse, sowohl aus persönlicher, christlicher als auch aus unternehmerischer Sicht, abzubauen.

Darüber hinaus bin ich der Ansicht, dass Satire für manche Menschen eine ausgezeichnete Möglichkeit bietet, die Handlungsweise der Politiker selbst und die Auswirkungen davon unter neuen und bisher nicht bekannten, realistischen Aspekten zu betrachten.

So können Verbindungen zu früheren Abläufen sichtbar werden und den Menschen helfen, ihren eigenen Standpunkt dazu in Kontrast zu stellen.

Satire darf nicht beleidigend und nicht verunglimpfend sein. Dies zum Schutz der Betroffenen und der Satiriker. Mit einem Kanzler, der schon drei Mal vor dem Scheidungsrichter stand und wegen seiner Haarpracht gerichtliche Auseinandersetzungen führte, ist nicht zu spaßen.

Thema der Woche

Möllemann unterschätzte Flugblätter

Weil die Finanzierung seiner Flugblätter vor der Bundestagswahl „nicht ganz koscher“ war, ist Möllemann der erste Fallschirmspringer, der durch Flugblätter abgestürzt ist.

Hannover/Leine

Schröder hatte die Gewerkschaftsfunktionäre zu Kaffee und Kuchen eingeladen, als Dank für ihre großzügige Wahlhilfe bei den Bundestagswahlen.

Die Herren ließen sich nicht zweimal bitten. Anschließend gingen die Funktionäre bei schönstem Wetter mit Schröder an der Leine spazieren.

Interview mit dem Kanzler

WS: Bedrückt es Sie nicht, dass über die Hälfte der Bevölkerung Sie als Betrüger sieht?

K: So ein Quatsch, ich wurde doch nur von 38 % gewählt, dann kann ich doch keine 60 % betrügen.

WS: Es ist aber doch Fakt, dass die Regierung die Horrornachrichten erst nach der Wahl bekannt gegeben hat.

K: Wir hatten 3 Monate Wahlkampf. Da war ich von morgens bis abends auf Wahlveranstaltungen. Da bleiben halt die Regierungsdinge liegen, das werden die Menschen doch verstehen. Im Übrigen, bis ich für mich passende Stiefel für das Waten in der Elbe gefunden hatte, das hat vielleicht gedauert. Die waren mir alle viel zu groß.

WS: Aber über Steuererhöhungen wurde vor der Wahl nicht gesprochen, und das muss doch vorher schon lange geplant gewesen sein. Sie haben sogar gesagt, dass es keine Steuererhöhungen gibt.

K: Selbstverständlich, aber hier muss ich meinen Freund Hans in Schutz nehmen. Er war, wie alle anderen auch, dauernd unterwegs, und da fehlte einfach die Gelegenheit. Übrigens glauben einem die Leute vor der Wahl eh kaum etwas, da liegt es doch auf der Hand, dass wichtige Sachen und Hiobsbotschaften wie Steuererhöhungen erst nach der Wahl bekannt gegeben werden, dann registrieren die Menschen es auch.

WS: Nun gibt es ein Finanzloch im Haushalt, Beitragserhöhungen stehen an, die ermäßigten Mehrwertsteuersätze werden für ganze Branchen mehr als verdoppelt, und die Arbeitslosigkeit soll sogar nächstes Jahr weiter steigen. Wird es Ihnen da nicht bange?

K: Warten Sie doch erst einmal ab, bis wir die Hartz-Vorschläge 1:1 umsetzen. Wenn die älteren Arbeitslosen mal aus der Statistik entfernt sind, haben wir nur gut 3 Millionen erfasste Arbeitslose und liegen damit im europäischen Vergleich ziemlich gut. Das haben wir vor zwei Jahren mit der Arbeitsplatzstatistik auch hinbekommen. Bei den 325-Euro-Jobs hatten wir von einem auf den anderen Tag über eine Million mehr Arbeitsplätze, ohne dass die bezahlt werden mussten. Eine unserer größten Leistungen der letzten 4 Jahre.

WS: Meinen Sie nicht, dass es besser gewesen wäre, den Menschen vor der Wahl klaren Wein einzuschenken?

K: Wie gesagt, vor der Wahl wird einem kaum etwas geglaubt, und insgeheim haben viele Menschen schon damit gerechnet. Die Menschen sind weniger dumm, als viele glauben. Im Übrigen haben wir nach der Ministerernennung nicht mit Sekt, sondern mit Wasser angestoßen. Damit haben wir unsere Solidarität mit dem Volke zum Ausdruck gebracht.

WS: Glauben Sie, dass die Basis Ihrer Partei das mit Ihnen alles durchzieht?

K: Meine Partei ist mit mir völlig solidarisch und sehr folgsam. Man muss den Leuten nur viel zumuten, dann folgen sie auch. Bei uns wird nicht lang herumgemacht, und der Chef hat noch was zu sagen. So, jetzt ist die Fragestunde vorbei. Wo sind die Kameras?

Schröder: Vergleich um schwarze Haare

Bundeskanzler Schröder hat mit der Wochenzeitschrift „Neue Revue“ vor Gericht einen Vergleich geschlossen.

Die SPD übernimmt freilich die Prozesskosten, die Schröder bei dieser höchst wichtigen Angelegenheit entstanden sind. Es wäre nicht auszudenken für die Partei, wenn der Vorsitzende seine Haare in der Farbe der Konkurrenz färben lassen würde.

Im Moment hat die SPD keine anderen Sorgen, als die Mitgliederbeiträge abzubauen.

Die Deutschen hören schlecht!

Auf dem Internationalen Kongress der HNO-Fachärzte in Berlin wurde eine Studie vorgelegt, in der eine signifikant verminderte Hörfähigkeit bei Deutschen aller Altersgruppen in der letzten Zeit festgestellt wurde.

Die Studie bezieht sich auf den Zeitraum vom Sommer bis Oktober 2002.

Die Ergebnisse stützen sich insbesondere auf Aussagen des Kanzlers bei all seinen Wahlveranstaltungen, als er landauf, landab von frühmorgens bis spätabends über zwanzig verschiedene Steuererhöhungen angekündigt hat. Von morgens bis abends, im Fernsehen wie im Rundfunk, hat er dem Volke Steuererhöhungen angekündigt.

Nach der Wahl will jetzt kein Deutscher etwas von Steuererhöhungen gehört haben. Wie verlautet, sollen ausschließlich einige wenige Vertrauenspersonen aus direkter Umgebung des Kanzlers über das geeignete Ohr verfügt haben, dies wahrzunehmen.

Die versammelten HNO-Ärzte sind mit Stummheit geschlagen, da sich unter den Probanden auch einige wenige Ärzte befanden, welche ebenfalls nichts davon vernommen haben wollen. Da es bereits kurz nach Veröffentlichung dieser Studie Stimmen gab, die dem Kanzler unlauteres Vorgehen vorwarfen, ist das Ergebnis sehr ernst zu nehmen. Wie ist es nun tatsächlich um das deutsche Ohr bestellt? Allen muss doch klar sein, dass unser Kanzler über jeden Zweifel erhaben ist.

Für eine weitergehende Studie, um diesem Phänomen auf den Grund zu gehen, steht laut Gesundheitsministerin Schmidt kein Geld zur Verfügung.

wahlschmiere News

Endlich geht es in Deutschland wieder bergauf

Alles geht hoch: Steuern, Sozialbeiträge, Öko-Steuer, Mehrwertsteuer und was sonst noch alles mehr!!!

Satirische Fotomontage: Gerhard Schröder lachend – „Ätsch, verarscht!“

Wochenwetter

Wind, Regen, sogenanntes Schröder-Wetter. Schröder freut sich, dass es endlich was Schlechtes gibt in Deutschland, an dem er nicht schuld ist.

Demoskopische Umfrage des Allensbacher Instituts

Das bundesweit bekannte Umfrageinstitut wollte SPD-Wähler dahingehend befragen, inwieweit sie sich von der jetzigen Bundesregierung betrogen fühlen. Die Befragung musste gestoppt werden, da für die Erhebung nicht ausreichend Bürger gefunden wurden, die bei der letzten Bundestagswahl SPD gewählt haben wollen.

Plakate zur Bundestagswahl 2002

Wahlplakat-Satire 2002

Anlässlich der Bundestagswahl 2002 haben die Parteien SPD, CDU, FDP und Grüne folgende Plakate veröffentlicht. mehr ›

Besuch des Verteidigungsministers Peter Struck in den USA

Nach dem Besuch des Verteidigungsministers Peter Struck glaubt man, in den Beziehungen zwischen den USA und Deutschland wieder zur Tagesordnung zurückkehren zu können, frei nach dem Motto: „Ist die Suppe nicht vergiftet, ist die Ehe gesund.“

Fünf Wirtschaftsweisen in Berlin: Eklat

Die Fünf Wirtschaftsweisen Deutschlands haben am Vormittag in Berlin ihr Gutachten vorgelegt. Darin enthalten sind außer den aktuellen verheerenden Wachstumsprognosen auch scharfe Kritiken am Wirtschaftskurs der Bundesregierung. Was ihm alles vorgeworfen wird – Schröder hat doch nichts getan. Der Vorsitzende der Fünf Wirtschaftsweisen, Wolfgang Wiegard, nahm sich die bodenlose Frechheit heraus, in aller Öffentlichkeit Wahrheiten auszusprechen. Wiegard wagte es, tiefgreifende Reformen anzufordern, währenddessen das bundesweit so beliebte Grinsen des Bundeskanzlers langsam schwand und sich seine Miene zu einer dunkelroten, düsteren Maske versteinerte.

Kurz vor der Übergabe des Schriftpaketes gelang es Gerhard Schröder, dem Weisen abrupt das Mikrofon wegzureißen.

Geistesgegenwärtig konnte er somit Schlimmeres verhindern. Dieser Affront war schlichtweg unerträglich. Wirtschaftsweise sind doch keine Götter. Und Schröder weiß sehr wohl, weshalb er bei seiner Vereidigung auf Gott verzichtete. Nur Gott weiß alles – und Schröder weiß alles besser …

Und das ließ er anschließend deutlich merken! Die Kosten der Fünf Weisen kann er sich künftig sparen!